Wissenschaftliche Publikationen zeigen: Ersthelfer-Apps erhöhen die Effizienz der Notfallversorgung und werden in der Gesellschaft positiv wahrgenommen


Aktuelle Trends in eHealth und mHealth sind in aller Munde. Und auch in der Wissenschaft
finden diese Themen zunehmend Beachtung. Vermehrt thematisieren Publikationen unter anderem die Zeiteinsparung bei der Notfallversorgung sowie die Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber der Implementierung von Smartphone-Anwendungen. Die jüngsten Studien zeigen: Unsere Gesellschaft ist bereit für die digitale Transformation des Rettungsprozesses und eine nutzenstiftende
Effizienzsteigerung in der Erstversorgung kann belegt werden.

 

Deutschlandweit sterben jährlich mehr als 60.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass vor allem in der Notfallerstversorgung infolge eines Herz-Kreislaufstillstands oftmals nur wenige Minuten entscheidend sind. So erhöht jede eingesparte Minute die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen um ca. 10 Prozent.

 

Im Einklang dazu lassen sich Ergebnisse aus der internationalen Forschung finden, die zu ähnlichen Ergebnisse kamen. So stellen Luce et al. (2017) fest: Je kürzer die benötigte Zeit des Ersthelfers bis zur Einleitung von medzinischen Maßnahmen, desto höher die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten. In ihrer konkreten Studie wurde die Wirksamkeit eines App-Alarmierungssystems auf dem Gebiet der Notfallversorgung untersucht. Dabei konnten die Wissenschaftler in einem Vergleich eine Verkürzung der Zeit bis zur Erstversorgung ermitteln. Im Falle eines SMS-basierten Systems wurde eine durchschnittliche Zeit von 5,6 Sekunden erreicht, bei Anwendung eines Notfall-App-Systems waren es im Durchschnitt sogar nur 3,5 Sekunden.

 

Dieser empirisch belegte Nutzen scheint auch auf die positive Wahrnehmung solcher m-Health-Konzepte in der Öffentlichkeit einzuzahlen. In einer Befragung (Dainty et al., 2017) von 2.415 Personen im nordamerikanischen Raum hätten 96 Prozent der Amerikaner und 98,37 Prozent der Kanadier keinerlei Bedenken, wenn eine Ersthelfer-App in ihrer Kommune implementiert werden würde. Unter den befragten Kanadiern wären sogar 84,3 Prozent wären bereit, sich eine solche App herunterzuladen. Ebenso könnten sich über 90 Prozent vorstellen, Hilfe von via App alarmierten Ersthelfern anzunehmen. Die Studie der Forschergruppe um Dainty konnte ebenso aufzeigen, dass Personen mit bereits absolviertem Erste-Hilfe-Kurs eher geneigt sind, sich eine entsprechende App herunterzuladen.

 

Die positive Wahrnehmung kann dabei auch durch eine gezielte Kommunikation solcher Projekte an die Öffentlichkeit gefördert werden. So scheinen Kampagnen zur Schärfung des öffentlichen Bewusstseins für Gesundheitsthemen den Erfolg solcher Apps maßgeblich zu beeinflussen. Zu einem zentralen Ergebnis in dieser Hinsicht kommen Nehme et al. (2016): Während einer entsprechenden massenmedialen Kampagne zur Sensibilisierung für Herzinfarktsymptome konnte die Sterberate von Herzstillständen um 6,4 Prozent reduziert werden.

 

Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den Zielen und wissenschaftlichen Hintergründen der App „Meine Stadt rettet“. Die ersten Praxis- und Wissenschaftergebnisse legen auch im Falle unserer Initiative nahe, dass die überlebenswichtige Zeit bis zur Einleitung rettender Maßnahmen von durchschnittlich neun auf bis zu drei Minuten verkürzt werden kann. Vor allem die Ergebnisse von Dainty et al. (2017) im nordamerikaischen Raum zeigen außerdem, dass die Akzeptanz von Ersthelfer-App-Systemen wie "Meine Stadt rettet" in der Bevölkerung sehr hoch ist. Sowohl der Nutzen, als auch die gesellschaftliche Legitimation zum Einsatz von mHealth-Technologien in der Notfallmedizin sind folglich vorhanden. Wir arbeiten stetig daran, dass wir dieses Erfolgspotenzial nun flächendeckend in die Praxis führen können.